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Spätzchen und das Autofahren

10. 03. 2013

Ein Bekannter von mir hat eine neue Freundin. Die sei ihm von Herzen gegönnt, zumal die beiden anscheinend ganz gut zusammenpassen, auch wenn sie seine Technikbegeisterung nicht gerade teilt. Nennen wir die beiden mal Häschen und Spätzchen.

Spätzchen hat es wie gesagt nicht unbedingt so mit Autos und Technik. Das allein wäre ja noch nicht so schlimm – niemand muss alles können und wissen. Aber bei Spätzchen drängt sich irgendwie der Eindruck auf, sie will in diesem Feld mit aller Macht strohdoof bleiben…

Spätzchens Auto ist zur Zeit nicht fahrtüchtig. Häschen hat seit kurzem ein „neues“ (=neues gebrauchtes) Auto, dessen Vorgänger aber noch nicht verkauft. Also bekommt sie das gute Stück erstmal. Warum auch nicht? Dass sie das erstemal nicht alleine zur Tankstelle fahren wollte, (und sich seine Erklärungen nicht merken wollte oder konnte) weil sie nicht wusste, wo sie den Tankdeckel findet und welchen Sprit sie einfüllen sollte – mag als Vorsicht an der Grenze zum Übertriebenen scheinen, aber passt schon.  Nur…

Im Prinzip ist es ja so, dass bei uns auf dem Land eigentlich kaum weniger los ist als in der Großstadt – es verteilt sich eben nur auf etwas mehr Entfernung. Und man hat halt außerhalb der hauptzeiten (sprich: Schulbusse) so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Und so waren Häschen und Spätzchen auf einer Veranstaltung rund 20 km vom Heimatort. Mit von der Partie war Nachbar Tim. Gefahren wurde  mit Tims Auto und es war abgemacht, dass Spätzchen („Das ist ja ein schöner BMW, darf ich den auch mal fahren?“) zu späterer Stunde das Auto mitsamt angetrunkener Männerfracht nach Hause steuert.

So war diesmal die Reihe an ihr, nüchtern zu bleiben, und alles war gut bis….

„Das Auto hat ja Automatik. Damit kann ich ja gar nicht fahren!“

„Das geht genauso wie mit einem Auto mit Schaltgetriebe. Eigentlich sogar viel einfacher, weil du nicht Kuppeln und Schalten mu…“ – „Aber das ist doch alles ganz anders. Das kann ich nicht!!!“

„Pass auf. Du stellst den Hebel auf D, lässt die Bremse los, und alles andere macht das Auto von sel…“ – „Nein, das geht nicht. Damit kann ich nicht fahren!!!1111!!!“

Zugegeben, im Nachhinein wäre es vielleicht schlauer gewesen, sie auch schon auf dem Hinweg fahren zu lassen. (Bzw. beim Versuch zu merken, dass das nicht geht – dann hätte Tim nämlich auf sein Bier verzichtet.) Aber Tims Auto ist nun weder besonders sperrig, noch ist es unübersichtlicher als andere moderne Autos (Spätzchens Gefährt eingeschlossen) und Tim hat extra noch so geparkt, dass sie nachher ohne Rangieren einfach geradeaus losfahren konnte. Aber wer rechnet denn schon mit so einem Problem?

Jedenfalls hatten wir alle ein ziemlich fettes WTF auf der Stirn stehen als Tim uns erzählt hat, dass sie schlussendlich mit dem Taxi heimgekommen sind. Oder sehen wir das zu eng?

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9 Kommentare

  1. Also ich muss sagen, dass ich auch ein extremer Autofahrmuffel bin und mich so oft wie möglich vor dem Fahren drücke.
    Aber Automatik finde ich super! Ich bin mir sicher, dass Spätzchen noch auf dem Geschmack kommt. Waren ihr wohl einfach zu viele Zuschauer?


    • Es ist ja kein Problem, wenn jemand nicht gerne fährt. Sowas wird eigentlich vorab geklärt und dann entsprechend geplant.
      Nur dieser Sinneswandel von „Diesen tollen BMW muss ich un-be-dingt fahren!!“ zu „Automatik! OhmeinGott-ohmeinGott-ohmeinGott-ohmeinGott-ohmeinGott-ohmeinGott… DAMIT FAHRE ICH NICHT!!!!“ kam absolut unerwartet. Gerade weil Automatik ja eigentlich viel einfacher zu fahren ist.


  2. Ich kenne ja Spätzchens Vorgeschichte nicht, aber das kommt mir schon recht übertrieben vor. Wenn man Automatik gelernt hat und dann mir nichts dir nichts Schaltgetriebe fahren soll, ok. Aber von Schalter auf Automatik umzusteigen sollte wirklich kein Problem sein. Anders gesagt: Wer sich das nicht zutraut, der sollte vielleicht sowieso den Führerschein abgeben?


    • Ich kenne sie bisher auch nicht allzu gut. Mit dem Autofahren an sich scheint sie sonst aber kein Problem zu haben. Mir scheint, sie verhält sich passend zu dem Klischee, das man „den Frauen“ so nachsagt: Solange das Auto fährt wie gewohnt, ist alles gut. Ansonsten muss ihr/ein Kerl sich drum kümmern.
      Dass sie sich mit der ungewohnten Technik erstmal nicht so sicher fühlt – so what? Wenns gerade zur Rush-Hour gewesen wäre…
      Nur dass sie sich da so plötzlich und derart vehement geweigert hat und es trotz nahezu leerer Straßen partout nicht versuchen wollte…


      • Schon schräg. Obwohl ich es grundsätzlich gut finde, wenn jemand nicht fährt, wenn er sich mit dem Fahrzeug oder der Situation nicht wohlfühlt. Allzu viele Leute gehen da mit Augen-zu-und-durch-Mentalität ran, oder Als-Kerl-musst-Du-da-durch, und dann sind sie überfordert und bauen vermeidbare Unfälle. Von daher war es, wenn auch lästig, sicher nicht unvernünftig. Aber der plötzliche Sinneswandel wirkt schon komisch. Naja, muss jede selbst wissen.


  3. Hihi, ich kann das schon verstehen. Aber sie hätte vielleicht einmal vorher darauf achten sollen, ob Automatik oder nicht.

    Die Umgewöhnung von Handschaltung auf Automatik ist aber wirklich nicht schwer…war es jedenfalls für mich nicht.
    Aber auch ich bremse im Automatikwagen mit beiden Füßen…jedenfalls wenn es schnell gehen muss… 🙂


  4. Nein, seht ihr nicht zu eng.

    Wenn ich mich bereiterkläre, dass ich eine angetrunkene Fracht nach Hause fahre, dann tue ich das auch. Und dann lass ich mir im Zweifel kurz erklären, wie das geht und die ersten paar Kilometer bin ich sehr vorsichtig bis ich raus habe wie das geht.

    Kein Grund zur Panik – außer man stellt sich blöd an. Die Dame ist blond?


  5. WordPress hat mir dieses Blog als „könnte Dir gefallen“ vorgeschlagen, ich habe gestöbert (bis jetzt hatte WordPress recht ;-)) und muss jetzt bei dem Thema gleich mal meinen Senf hierlassen. ^^

    Ich kann zwar die Hysterie der Dame an sich nicht nachvollziehen, aber grundsätzlich kann ich die Verweigerung verstehen.
    Ich muss dazu sagen, dass ich leidenschaftlich gern und auch viel Auto fahre, und auch problemlos in der schlimmsten RushHour einer großen Großstadt (die ich halt zwangsläufig frequentieren muss) zurecht komme. ^^

    Aber: Ich bin einmal den BMW meines Vaters gefahren bzw. musste ihn aufgrund einer ähnlichen Situation fahren. Mir war Automatik zwar suspekt, aber ich dachte „Kann ja so schwer nicht sein“. Ende vom Lied war ein sowas von knapper beinahe-Unfall, weil in dem Moment, in dem ich dachte „Hey, ist ja gar nicht so schwer“, plötzlich wieder die gewohnten Reflexe zuschlugen und ich kuppeln wollte, was zu einer extremen Vollbremsung im Abbiegevorgang führte – mein Männe, der hinter mir fuhr, wäre mir beinahe drauf gefahren und eines der Umzugsgüter, die wir transportierten, ging fast zu Bruch.

    Seitdem bin ich von Automatik geheilt, muss ich gestehen und finde nicht mehr, dass „das total einfach ist“, zumindest nicht, wenn man es anders gewohnt ist.


    • Dann hoffe ich mal, dass WordPress weiterhin Recht behält 😉

      Und du hast auch Recht mit dem großen Haken, wenn man nur Schaltgetriebe gewöhnt ist: beim „normalen“ Fahren hat man keine Probleme, aber wenn man anhalten bzw. ausrollen lassen möchte und nicht aufpasst, tritt der linke Fuß zum „Auskuppeln“ zu – und trifft mit entsprechender Kraft auf das Bremspedal.

      Jetzt, wo du davon schreibst, erinnere ich mich wieder dran: mir ist das nämlich auch schonmal passiert – allerdings ohne dass jemand hinter mir gefahren ist.

      Was dagegen hilft: den linken Fuß bewusst auf der „Stütze“ im Fußraum stellen. Aber auch nur bedingt, denn da sind zwei Haken dabei: für längere Strecken ist das auch keine Lösung – und wenn man zwischendurch abgelenkt ist und den Fuß mal anders hinstellt, ist auch die Gedankenstütze weg.

      Danke also für einen dicken Verständnis-Pluspunkt für Spätzchen 😉



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