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Wie man sich bei der IT so richtig unbeliebt macht.

10. 11. 2016

Lass dir von jemandem erzählen, dass man seine Mails mit verschiedenen Ordnern und Regeln viel  einfacher bearbeiten kann. Du verstehst das Konzept dahinter zwar nicht, aber „Arbeit vereinfachen“ klingt ja schon sensationell.

Teile deiner IT mit, dass du jetzt auch Ordner und Regeln nutzen willst, um deine Arbeit zu vereinfachen. (Warum hat dir das eigentlich vorher noch niemand erklärt?)

Erstelle mit Hilfe der freundlichen IT zwei neue Ordner und zwei Regeln, die Mails bestimmter Absender dorthin verschieben.

Weil das so schön funktioniert, bitte die IT, Mails mit einem bestimmten Stichwort im Betreff automatisch in einen weiteren Ordner sortieren zu lassen.
Die IT erstellt Ordner und Regel. Die IT gibt zu bedenken, dass es irgendwann unübersichtlich wird, wenn statt eines Posteingangs viele Unterordner bearbeitet werden.

Trage der IT auf, eine neue Regel zu erstellen, die Mails mit einem weiteren Stichwort automatisch an den Kollegen weiterleitet, der diesen Bereich jetzt übernommen hat.
Die IT erstellt die Regel. Dabei wird die Regel um eine zweite Bedingung ergänzt, damit sie nur auf externe Mails angewendet wird. Die IT erklärt geduldig, dass ohne diese Zusatzbedingung auch Rückfragen von Kollegen automatisch weitergeleitet würden.

Ignoriere diese Erklärung. Du kennst dich ja jetzt aus.

Erstelle selbständig neue Ordner und neue Regeln, die deine Mails sortieren.

Erstelle selbständig eine neue Regel, die anhand von Stichwörtern im Betreff umleitet und sei hocherfreut, dass du fortan nicht mehr damit belästigt wirst.

Wie von IT vorhergesagt, werden die Rückfragen der Kollegen ebenfalls automatisch weitergeleitet. Die Kollegen sind darüber weniger erfreut.

Finde einfach alle doof, vor allem die IT. Sowas muss doch automatisch richtig eingestellt sein!!
Die IT verdreht kurz die Augen und richtet die Regeln so ein, dass sie wie von der Abteilung gewünscht funktionieren.

Erstelle weitere neue Ordner und neue Regeln, die deine Mails sortieren.

Ignoriere die Mail, in der Geschäftsführung und IT den Abwesenheitsassistent erklären. Du bist ja jetzt Regelexperte, du brauchst solche Erlärungen nicht! Und warum soll überhaupt so eine Abwesenheitsnachricht geschickt werden?

Baue eine Regel, die jede ankommende Mail mit „Wir freuen uns, dass Ihre Nachricht bei uns eingegangen ist. Ich bin für ein paar Tage im Urlaub. 🙂 Danach kümmere ich mich um Ihr Anliegen.“

Trete vergnügt deinen hochverdienten Urlaub an.
Währenddessen kümmert sich die IT um den verzweifelten Anruf der Sekretärin eines anderen Betriebs, wo eine Kollegin mittels einer ähnlich konfigurierten Regel bekanntgibt, dass sie nun im Mutterschutz ist und von Kollege Y vertreten wird. Wie sich herausstellt, antwortet „Wir freuen uns…“ auf jedes „Ich bin im Mutterschutz“, und „Ich bin im Mutterschutz“ auf jedes „Wir freuen uns…“, und die Mailserver spielen ein fröhliches Pingpong…

Reagiere äußerst verärgert auf den leicht genervten Hinweis der IT, dass es für solche Nachrichten einen Abwesenheitsassistenten gibt, der pro Absender nur einmal reagiert anstatt auf jede einzelne Mail, und dass das in der Info-Mail auch lang und breit erklärt wurde. Lasse außerdem deinen Frust über den Anpfiff deines Teamleiters, dass dieser Text nicht der von der Geschäftsleitung vorgegebene war und auch kein gutes Bild auf deinen Arbeitgeber wirft, an der IT aus. Schließlich kannst du ja nun wirklich nichts dafür, dass die Server so konfiguriert sind, dass sie sich in so kurzer Zeit so viele Mails zuschicken. Jetzt ist die ganze Urlaubserholung futsch!!!

Beklage dich, dass du so viele Ordner im Blick behalten musst. Davor hätte die IT dich doch warnen müssen!!

Vergiss die eingerichteten Regeln.

Verschiebe diese vielen unübersichtlichen Ordner in den Papierkorb.

Vergiss, dass es diese Ordner gab.

Vergiss überhaupt eine ganze Menge. Auch den Inhalt einer Info-Mail, in der die IT ausführlich erklärt, dass sich gerade eine neue Art von Viren über angehängte Word-Dateien verbreitet, die sich so schnell wandelt, dass sie manchmal auch mit den aktuellen Signaturen der Virenscanner noch nicht erkannt werden und wie man dem vorbeugen kann. Viren fangen sich eh nur Doofe.

Mache dich lautstark über die neue Kollegin lustig, die noch nicht alle Abläufe im Haus kennt und sich deshalb von einer angeblichen Rechnung überrumpeln lassen hat. Wie kann man nur sooo blöd sein und sich so einen Virus eingefangen?

Öffne eine Woche später selbst einen plump aufgemachten virenverseuchten Anhang.

Schimpfe auf die IT. Warum hat der Virenscanner das nicht verhindern können? Und warum dauert es so lange, deine hochwichtigen Dateien aus der Sicherung wiederherzustellen? Du kannst so nicht arbeiten!

Schimpfe weiter auf die IT, weil sie wegen der aktuellen Virenbedrohung zusätzliche Filter einführt. Halten die die Leute denn für doof? Oder ist das womöglich ein Vorwand, dich bei deiner Arbeit zu überwachen?

Irgendwie kommen manche deiner Mails nicht an. Mails von Kunden und Geschäftspartnern. Sicher ist IT schuld. Immerhin hat sie doch neulich was an Spamfilter umgestellt! Du kannst so nicht arbeiten!!!

Eskaliere das ganze an die Geschäftsleitung. Hochwichtige Mails kommen nicht bei dir an!!! Du fühlst dich geradezu in deiner Arbeit sabotiert!!!!!

Und ganz wichtig: Wenn die IT dann feststellt, dass die „verlorenen“ Mails durch deine Regelumbau- und Ordnerlöschaktionen in einem Unterordner des Papierkorbs gelandet sind, beschwere dich, dass man dir das ja wohl hätte erklären müssen, und klage darüber, dass du ja jetzt auf einmal so viel aufzuarbeiten hast.

(Nein, das war nicht alles eine einzige Person, und an ein paar Stellen habe ich tatsächlich noch eine Prise Drama ergänzt. Aber der gesammelte Frust musste einfach mal raus.)

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3 Kommentare

  1. „Wie man sich selbst in die Ecke pinselt“ im Ditigalzeitalter…


  2. Hach ja, die lieben ach so hoch versierten Kollegen, die von alles und jedem Ahnung haben. Hat diese Kollegen nicht jeder?
    Ich habe herzhaft gelacht. 😀


  3. und immer schon freundliche blieben, weil %Spezialist% versucht nur seine Arbeit zu machen. // Körperliche Gewalt. Phantasien. Reichlich. …. Dann aber doch besser Schokolade und Gummibärchen.



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